Kannst du pokern?

Trotz unsicherem Wetter in die Badi gehen, kann dazu führen, dass man eine Anlage für sich hat. Den Badmeister hat es gefreut. Ein Text über das einigermassen kalkulierte Risiko.

Vor ein paar Jahren fragte mich jemand, ob ich pokern könne. Ich verstand die Frage zunächst sachlich und verneinte sie ehrlich. Doch die Frage war im übertragenen Sinn gemeint. "Pokern" bedeutet ja an sich, für einen verlockenden Gewinn ein gewisses Wagnis auf sich zu nehmen. Dies mit der Bereitschaft, etwas für immer zu verlieren.

So dramatisch war es dann am letzten Freitagabend doch nicht, als ich mich fürs Freibad anstatt fürs Hallenbad entschied. Das Risiko bestand lediglich darin, noch nässer zu werden, als man es in einem Bad sowieso schon wird. Wenn dann noch ein bissiger Wind dazu kommt, kann das dann halt schon recht ungemütlich werden. Soweit ich informiert war, sollte es an jenem Abend allerdings - zumindest vorübergehend - trocken und einigermassen windstill bleiben.

Am Eingang entdeckte mich der Badmeister. Er schaute sich um, breitete in einer Geste die Arme aus und meinte lachend, mehr als ein privates Bad könne er mir nicht bieten. Damit meinte er die menschenleere Anlage. Obschon ich die Gesellschaft in den Bädern sonst geniesse, hatte es doch auch seine Vorzüge, mal ein Bad ganz für sich zu haben. Und der Badmeister war sichtlich froh, seinen Feierabend nicht völlig einsam verbringen zu müssen.

Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Ja, ich kann pokern, wenn damit gemeint ist, etwas aufs Spiel zu setzen. Und das durchaus erfolgreich: In dem Moment, als ich die Badi betrat, ging nämlich die Wolkendecke auf und die Sonne kam zurück. Obschon dies gemäss den Wettervorhersagen alles andere als sicher war. Zum Pokern gehört auch Glück.

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